Die kaschubische Schweiz in Polen – klare Seen, dunkle Wälder

Die kaschubische Schweiz ist eine hügelige Wald- und Seenlandschaft südwestlich von Danzig in Polen. Zusammen mit der pommerschen Seenplatte im Westen und der masurischen Seenplatte im Osten gehört sie zum polnischen Teil einer Kette ausgedehnter Seegebiete, die sich von Norddeutschland bis nach Litauen zieht. Sie entstand, als sich am Ende der letzten Eiszeit die Eisdecke, die Nordeuropa bedeckte, abschmolz, und sich die Gletscher nach Norden zurückzogen. In den Senken des baltischen Landrückens, zu dem auch die kaschubische Schweiz gehört, bildete das Schmelzwasser tausende von Seen, die seitdem dieser dünn besiedelten Landschaft ihr unverwechselbares Gesicht geben.

Wassersport, Wanderouren, Wintersport in der Kaschubische Schweiz

Für Segler, Kanufahrer und Wanderer ist diese stille und schöne Landschaft, die touristisch noch wenig überlaufen ist, ein geradezu ideales „Revier“. Aber auch wer Natur- und Kulturreisen kombinieren möchte, ist in der kaschubischen Schweiz gut aufgehoben: Nur etwa 50 Kilometer trennen die kaschubische Schweiz von Danzig mit seiner prächtigen Altstadt. Und zumindest in kalten, schneefesten Wintern kann man am knapp 400 Meter hohe Turmberg von Wiezyca auch Ski fahren – es gibt sogar einen Sessellift… .

Die wechselvolle Geschichte der Kaschubischen Schweiz

Die kaschubische Schweiz kann auf eine –im wahrsten Sinne des Wortes „wechselvolle“ Geschichte zurückblicken, in der die Gegend bis zum Ende des zweiten Weltkrieges immer wieder zwischen Deutschland und Polen hin- und herwechselte. Systematisch erschlossen wurde die Gegend erstmals durch den Deutschen Orden, der auf Befehl des Papstes die damals von „heidnischen“ slawischen und baltischen Stämmen bewohnte Gegend ab dem 13. Jahrhundert für das Christentum erobern sollte. Innerhalb weniger Jahrzehnte brachte der Orden ein ausgedehntes, fast das gesamte Baltikum umfassende Gebiet unter seine Herrschaft, zu dem auch die heutige kaschubische Schweiz gehörte, die jedoch 1410 von Polen erobert wurde.

Ende des 18. Jahrhundert fiel das Gebiet im Zuge der polnischen Teilungen an Preußen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es als Teil des „polnischen Korridors“ Polen zugeschlagen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es deutsch besetzt und ist seit 1945 wieder polnisch.

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Diese wechselvolle Geschichte hat architektonisch ihre Spuren hinterlassen – so finden sich Burgen aus der Ordenszeit (besonders sehenswert ist die imposante Burg in Bytów/ Bütow) neben vielen kleinen Dorfkirchen im Stil der Backsteingotik, wie sie auch in Norddeutschland zu finden sind. Nicht zuletzt aber hat das Hin und Her zwischen Deutschland und Polen auch die Menschen geprägt: in der kaschubischen Schweiz wird ein ganz eigener Dialekt gesprochen, das Kaschubische, eine Variante des Polnischen, das viele Lehnwörter aus dem Deutschen beinhaltet.

Das Zentrum der kaschubischen Schweiz ist die Stadt Kartuzy (Karthaus), die ihren Namen auf ein im 14. Jahrhundert gegründetes Karthäuserkloster zurückführt. Besonders sehenswert ist neben dem ehemaligen Kloster das kaschubische Museum, das einen guten Einblick in die besondere Geschichte der kaschubischen Schweiz gibt.
Zumindest ein „halber Kaschube“ ist übrigens der in Danzig geborene Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass, dessen Mutter aus einer deutsch-polnischen kaschubischen Familie stammte.

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